Wenn Adam und Eva streiken

In Paris forderten die Aktmodelle im vergangenen Dezember mehr Geld und froren dafür nackt auf der Strasse. Wer hätte das gedacht, Im Land de Musen und Maler werden Modelle natürlich genauso schlecht entlohnt wie andernorts. Dass sie von den Malern und Bildhauerinnen nicht das meiste bekommen, kann man ja angesichts der angestrengten Finanzlage der Künstler gut verstehen. Dass es dann ein Trinkgeld für die Aktmodelle zusätzlich von den Kurteilnehmern gibt, wer will es ihnen verdenken. Man freut sich ob der pekuniären Geste. Und genau darum geht es in diesem Streik. Frankreichs Behörden wollen kein Verteilen von Schwarzgeldern an Beschäftigte offizieller Stellen (den Unis) Daher haben sie kurzerhand diese menschliche Zuwendung verboten. Nun ists so, daß die meisten Aktmodell eh keine Steuern wegen zu geringen Verdienstes zahlen, wieso also diese Aufregung. Was sagt uns dies, in Frankreich ist mindest genausoviel Amtsschimmel unterwegs wie in unseren Landen.

Wenn sich die Franzosen ausziehen so verhalten sich die Italiener diametral. Ein Jahr vorher behielten Sie die Kleider zum Protest an, wie in einem wunderbaren Artikel von Zettels Raum zu lesen ist.

Strikende Aktmodelle (quelle Süddeutsche)

Erstaunlich nur, und das verwundert mich wirklich immer wieder, wie groß das Medienecho (z.B.Süddeutsche, Bild) ist, wenn sich ein paar Menschen dazu entschließen in der Öffentlichkeit nackte Haut zu zeigen. Das sollten verdi und Co mal adaptieren. Dann klappts auch mit der Durchsetzung ihrer Forderungen.

30 Mio Dollar für einen Akt

Ich sag es allen meinen Modellen: Jeder ist schön. Und zum Beweis, daß Aktgemälde durchaus immer noch ihren Platz in der Zeitgenössischen Kunst haben gereichte letzten Mai eine Auktion bei Chisties New York. Für satte dreizig Mio Dollar erwarb ein anonymer Käufer das Aktgemälde Benefits Supervisor Sleeping
\"Benefits Supervisor Sleeping\" von Lucian Freud (dem Enkel des Seelendoktors). Es war damit das teuereste Bild eines noch lebenden Künstlers. Die übergewichtige Angestellte Sue Tilley bekam damals nur 25 Pfund Tagesgage für Ihren Nebenjob bei Freud. Die Wertsteigerung ist damit astronomisch und wird jedem Wallstreet Banker vor Neid die Tränen in die Augen treiben. Also keine Angst vor überflüssigen Pfunden.

Weiteres ist im Stern nachzulesen, oder etwas privateres bei Charlies Weblog


zu Lucian Freud:
Er wurde 1922 in Berlin geboren als Sohn des jüdischen Architekten (dem jüngsten Sohn Sigmund Freuds). 1933 floh er mit seiner Familie nach London. 1939 wurde er britischer Staatsbürger. Freuds Frühwerk ist linear und realistisch, jedoch finden sich auch surrealistische Element in seinen Arbeiten. Seit 1952 widmet er sich hauptsächlich der Akt und Portraitmalerei.