Der Akt

 

Anders als ein Aktfoto ist das Aktgemälde keine Momentaufnahme, keine Manifestation eines flüchtigen Augenblicks, einer Pose. Es ist eher ein Versuch der Fixierung einer intimen Stimmung, eines Gefühls Ausdruck zu verleihen. Schon während meines Studiums bemerkte ich schnell, dass jeder Mensch eine eigene Lust zur Selbstdarstellung hat. Manche sind verhalten, manche mutig, einige kraftvoll, andere eher sacht und sensible. Viele hegen den Traum, ein Bildnis von sich zu besitzen, sich zur Schau zu stellen, aber fast allen fehlt es an Mut, Vertrauen und Möglichkeit es umsetzen zu lassen.

 

Sich malen zu lassen, gehört zu einem sehr intensiven Erlebnis, welchem man in aller Regel nur selten begegnet. Anfängliche Scheu schwindet erstaunlich schnell und ermutigt durch das fleißige Arbeiten des Malers weicht es einer meditativen Ruhe. Zeit auf den Punkt zu kommen, dem Tag zu entfliehen, den Gedanken nachzuhängen. Gekrönt vom Stolz, dem langen Blick   des Malenden und der inneren Stille Stand gehalten zu haben.

 

Seien Sie mutig, machen Sie diese Erfahrung. Anders als bei einem Fotografen geht alles viel langsamer und ist dementsprechend intensiver. Das Ergebnis ist phantasievoll, es entspricht nicht der objektiven Realität, sondern ist ein eigenständiges Kunstwerk und macht Sie zu einem maßgeblichen Teil einer künstlerischen Interpretation.